Chaos Camouflage Club

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Disclaimer: Zur besseren Lesbarkeit sprechen wir nur vom Militär. Polizei und andere Strafverfolgungsbehörden sowie Nachrichtendienste sind mitgemeint.

Wir beobachten eine zunehmende Normalisierung von Militär im Chaos. Sei es das Tragen von echten Militäruniformen oder an solchen angelehnten, Infodumps über Waffen und Waffensysteme oder die Anwesenheit von Soldat*innen in unseren digitalen oder physischen Räumen. Dabei verschwindet eine bisher klare Grenze: Militär und das Chaos passen nicht zusammen.

Aus der Hacker*innenethik geht hervor, dass militärische Organisationen mit unseren Werten nicht in Einklang stehen. Das Militär ist autoritär organisiert und Soldaten*innen sind verpflichtet, sich diesem System unterzuordnen – ein fundamentales Gegenteil zu „misstraue Autoritäten, fördere Dezentralisierung“.

Gehorsam und Geheimhaltung sind elementare Bestandteile des militärischen Ethos. Das Chaos hingegen ist antiautoritär und machtkritisch. Kritisches Denken, Offenheit und Transparenz sind grundlegende Werte dieser Community.

Das Militär funktioniert nicht ohne Nationalismus. Als Werkzeug eines Staats setzt es dessen Interessen durch strukturelle und körperliche Gewalt durch. Dieser autoritäre Apparat erfordert Ausgrenzung und einen Feind. Das Chaos steht Staaten kritisch gegenüber und kämpft gegen jeden Nationalismus. Der CCC hat sich diesem Ziel explizit in seiner Unvereinbarkeits­erklärung verschrieben:

„Wer Ideen von Rassismus, Ausgrenzung und damit verbundener struktureller und körperlicher Gewalt vertritt, hat sich vom Dialog verabschiedet und ist jenseits unserer Akzeptanzgrenze.“


Das Chaos und das Militär

Diese Unvereinbarkeit gilt für das Militär als Organisation, aber genauso für dessen Angehörige: Sie haben sich einer Organisation verpflichtet, deren Werte denen des Clubs grundlegend widersprechen. Diese Werte müssen Soldat*innen aber – auch außerhalb des Dienstes – vertreten (vgl. § 17 SG). Bei der Polizei gibt es neben der Verpflichtung zum Dienstherren auch noch Aussage- und Ermittlungspflichten.

Diese Unvereinbarkeit gilt auch, wenn ein*e Soldat*in sich selbst nicht aktiv gegen die Werte des Clubs einsetzt: Schon ihre bloße Anwesenheit behindert uns in den Kämpfen für unsere Werte, nicht zuletzt durch die Schere im Kopf. Jede*r Soldat*in repräsentiert das Militär und seine Werte.

Tolerieren wir einzelne Personen, die unseren Grundwerten entgegenstehen, in unseren digitalen oder physischen Räumen, verraten wir diese Grundwerte. Wir schaffen einen Raum, in dem sich Menschen, die für unsere Grundwerte stehen, unwohl fühlen.


Militäruniformen: Kink oder Kampfansage?

Der grundlegende Zweck einer Uniform ist, Zugehörigkeit auszudrücken. In der Vergangenheit haben im Chaos der schwarze Hoodie, Katzenohren oder ein Strauss-Kostüm diese Aufgabe übernommen.

Menschen drücken sich über ihre Kleidung aus, signalisieren Vorlieben, leben Individualität. Das kritisieren wir nicht.

Doch wer sich, wie wir, auf Chaos-Events oder in -Spaces umschaut, muss feststellen: Die Grenze zwischen „taktischer“ Bekleidung und offen getragenen Militäruniformen oder Teilen dieser ist verschwunden. Das ist besonders problematisch, wenn eine Nationalflagge auf dieser prangt. Doch auch so repräsentiert eine militärische Uniform autoritäre Strukturen, persönliche Unfreiheit, Bewaffnung und tödliche Staatsgewalt.

Auch nicht dem Militär angehörige Uniformträger*innen fördern eine Entgrenzung, die wir bereits aus dem Internet kennen. Früher waren es Imageboards, heute passiert das Gleiche auf Kurzvideoplattformen: Unter dem Deckmantel von Ironie oder Edginess verbreiten sich Antifeminismus, Menschenfeindlichkeit und faschistische Ideologie. Diese Ironie schafft ausreichende Ungewissheit, so dass sich auch überzeugte Frauenhasser und Nazis wohlfühlen und weitere Menschen zu solchen werden. Dadurch etablieren sich schrittweise rechte Ideologien, die als Einstieg in rechtsradikale Gruppierungen dienen können.

Eine sich einschleichende, permanente Präsenz militärischer Uniformästhetik in unseren Räumen und auf unseren Veranstaltungen betrifft uns alle. Es betrifft jene, die sich davon abgeschreckt oder eingeschüchtert fühlen, sich nicht dazu äußern oder schlichtweg nicht mehr kommen. Es betrifft jene, für die es keinen Unterschied macht, aus welchen Gründen eine Uniform getragen wird.

Es beginnt mit dem*der ersten Militärangehörigen und der ersten ironischen Uniform. Wenn wir nicht bereits dort klare Kante zeigen, werden wir die sprichwörtliche Nazi-Bar.

Das ist kein Kink-Shaming. Sich an einem Hundekostüm oder an einer Militäruniform zu stören sind zwei grundlegend verschiedene Dinge, weil sie für grundlegend verschiedene Dinge stehen.


Soll man den Kuchen sprengen oder essen?

Es geht nicht nur darum, wen wir verlieren, wenn wir Soldat*innen und Militärästhetik nicht tolerieren. Es geht genauso darum, wen wir verlieren, wenn wir sie tolerieren.

Wer sich dazu entscheidet, Soldat*in zu sein, kann nicht gleichzeitig Teil des Chaos sein. Wer Teil des Chaos sein will, kann nicht gleichzeitig das Militär oder seine Uniformen gutheißen.

Zieht die Uniformen aus und hängt die Nationalflaggen ab.1 Unterbindet Militärästhetik in euren Räumen und werft die Soldat*innen raus.

Wir haben eine Welt zu gewinnen!


  1. Wir gestehen Menschen zu, sich weiterzuentwickeln. Wer den Dienst beendet bzw. die Militärästhetik ablegt, kann auch wieder Teil des Chaos sein. ↩︎